In Vororten wie Igstadt, Kloppenheim und Nordenstadt, aber auch im innerstädtischen Bereich (zum Beispiel Nerostraße, Taunusstraße, Friedrichstraße) findet man Fachwerkhäuser, die aus dem 18. oder 19. Jahrhundert stammen. Sie sind größtenteils zweigeschossig mit Satteldach oder Krüppelwalmdach errichtet worden und stehen nicht selten im Verbund mit Nebengebäuden wie Scheunen oder Stallungen als Hofreiten. Das Erdgeschoss ist oft aus Werkstein, Bruchstein oder Ziegeln gemauert. Das darüber liegende Fachwerk ist mit Lehm oder Ziegeln ausgefacht.

Sowohl Sichtfachwerk als auch verputzte oder verkleidete Fassaden sind bei diesem Gebäudetyp üblich. (Abb. 11 / Am Schloßpark – vor und nach der Sanierung © Dirk Hoga Architektur (Fotograf: Birkel, Wiesbaden))
Sowohl Sichtfachwerk als auch verputzte oder verkleidete Fassaden sind bei diesem Gebäudetyp üblich. (Abb. 11 / Am Schloßpark – vor und nach der Sanierung © Dirk Hoga Architektur (Fotograf: Birkel, Wiesbaden))
 

Neben Sichtfachwerk findet man ganz oder teilweise verputzte Fassaden. Die Wetterseiten wurden manchmal mit einer Holzschalung oder Schieferplatten verkleidet. Keller, falls vorhanden, erstrecken sich gerade bei älteren ländlichen Wohnbauten oft nur über einen Teil des Gebäudes. Sie sind zudem häufig als Kriechkeller mit geringer Höhe ausgeführt. Die Beheizung der Gebäude erfolgte ursprünglich mit holzbeschickten Einzelfeuerstätten.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden diese Bauten mehrfach umgebaut, umgenutzt und erweitert. Ehemals unbeheizte Dachräume sind mittlerweile zu Wohnraum ausgebaut, die Nebengebäude wurden ebenfalls umgenutzt. Ehemals sichtbares Fachwerk wurde oft nachträglich verkleidet oder verputzt, ehemals verputztes Fachwerk wurde freigelegt, die ursprünglichen Holzfenster wurden teilweise gegen nicht denkmalgerechte Fenster, häufig aus Kunststoff, ausgetauscht.


Fassadenelemente von Fachwerkgebäuden: Häufig bestehen Vorschriften und Hinweise zur ortsüblichen historischen Gestaltung, wie hier in der Gestaltungsfibel für den Ortskern von Auringen (Abb. 13 © Planungsgruppe Darmstadt)


Energetische Bewertung Fachwerkhäuser

  • Geringe Raumhöhen: Bei der nachträglichen Dämmung auf der Bodenplatte, der Nachrüstung von Fußbodenheizungen und der Verlegung von Leitungen und Lüftungskanälen sind die meist geringen Raumhöhen eine Herausforderung (siehe Kapitel Kellerdecke und Bodenplatte.
  • Fassadendämmung: Eine Dämmung von außen ist nur möglich, wenn der historische Bau verputzt oder verkleidet war (siehe Kapitel Außenwand).
  • Innendämmung: Eine Innendämmung ist aufwendig und muss bauphysikalisch einwandfrei geplant werden. Sie ist aber bei historischem Sichtfachwerk häufig die einzige Möglichkeit (siehe Kapitel Außenwand).
  • Dachdämmung: Der Einbau einer Dämmschicht auf der obersten Geschossdecke ist in der Regel unkompliziert zu realisieren, die Dämmung der Dachflächen hingegen erfordert einen größeren Aufwand und eine besonders sorgfältige handwerkliche Ausführung (siehe Kapitel Dach).
  • Fenster: Eine Ertüchtigung der historischen Fenster durch Reparatur, Wiederherstellen der Dichtigkeit, den Einbau einer besseren Verglasung oder den Ausbau zum Kastenfenster sollte zunächst geprüft werden. Er ist jedoch nicht immer möglich. Im Einzelfall kann daher der Austausch gegen energieeffiziente Holzfenster nach historischem Vorbild die einzige Möglichkeit sein (siehe Kapitel Fenster).
  • Luftdichtheit: Über Bauteilfugen und nicht dicht schließende Fenster verlieren Fachwerkbauten oft deutlich mehr Wärme als dies bei Massivbauten der Fall ist. (siehe Kapitel Luftdichtheit).
  • Alternative Anlagentechnik: Die Optimierung und der Austausch der Anlagentechnik ist gut möglich. Erneuerbare Energiequellen sind meist einfach zu integrieren wie beispielsweise die Wärme des Erdreiches.Solaranlagen müssen mit den denkmalpflegerischen Belangen abgestimmt werden (siehe Kapitel Heizung).
  • Gestaltungssatzung: Es bestehen Gestaltungssatzungen für die meisten Wiesbadener Vororte. Diese sind bei der Sanierung zu beachten.

Eppstein-Bremthal – Fachwerkfasssade nach der Sanierung (Abb. 15 © Architekturbüro Beckmann, Claudius Beckmann;Bernd Weck)
Eppstein-Bremthal – Fachwerkfasssade nach der Sanierung
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Abb. 15 © Architekturbüro Beckmann, Claudius Beckmann;Bernd Weck)