1. Einhaltung des Mindestwärmeschutzes

Um Tauwasserausfall und Schimmelpilz infolge geringer Oberflächentemperaturen an Außenbauteilen zu vermeiden, ist der Mindestwärmeschutz nach DIN 4108 und somit eine Mindesttemperatur von 12,6 °C unbedingt zu gewährleisten. Im unsanierten Denkmal wird diese jedoch im Winter oft unterschritten. Oft reicht schon eine geringfügige Dämmung mit Dämmputz oder eine Innendämmung aus, um den Mindestwärmeschutz einzuhalten und so ein gesundes Raumklima und den Schutz der historischen Bausubstanz sicherzustellen.

 

2. Vermeidung von Wärmebrücken

An Wärmebrücken sinkt die Oberflächentemperatur gegenüber der Regelfläche des Bauteils deutlich mehr ab und es kann Tauwasser entstehen. Durch umsichtige Detailplanung ist der Wärmeabfluss an diesen Stellen zu begrenzen. Die Oberflächentemperatur der Wärmebrücke hängt dabei auch vom Verhältnis zur Dämmwirkung des Regelbauteils ab – eine dicke Dämmung der Regelfläche kann im Einzelfall zu einer niedrigeren Temperatur an der Wärmebrücke führen. Eine geringere Dämmschichtdicke und damit ein geringerer Unterschied zwischen Regelfläche und Wärmebrücke können den Ausfall von Tauwasser verhindern. Auch dieses sollte von einem Fachplaner geprüft werden. Der Vorsatz "Viel hilft viel" kann an solchen Punkten zu Bauschäden führen.

Insbesondere die Innendämmung bildet eine Herausforderung bei der Wärmebrückenplanung, da die Dämmebene regelmäßig durch Innenwände und Decken unterbrochen wird (siehe Kapitel Innendämmung)

 

3. Das Fenster als schwächstes Glied erhalten

Bei der Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden können einzelne erhaltenswerte Bauteile nicht im selben Maße gedämmt werden wie andere. Hier entsteht ein starkes Gefälle des Wärmeschutzes, die Oberflächentemperatur an den weniger gedämmten Oberflächen ist dadurch geringer. Dies kann zu einem Tauwasserniederschlag an den entsprechenden Bauteilen führen und die wertvolle Substanz zerstören. Bei Planung des Wärmeschutzes sind daher auch Bauteile in die Betrachtung mit einzubeziehen, die nicht gedämmt werden.

Insbesondere ist darauf zu achten, dass das Fenster als relativ feuchteunempfindliches Bauteil stets das schwächste Glied im Wärmeschutz bleibt. Dies ist auch eine Anforderung bei der Förderung von Einzelsanierungsmaßnahmen durch die KfW. Bedingung für die Förderung von Fenstern und Fenstertüren ist, dass der Dämmwert (U-Wert) der Außenwand und des Daches kleiner ist als jener der neu eingebauten Fenster und Fenstertüren.

 

4. Vermeidung von Leckagen in der Luftdichtheit

Neben der Vermeidung von Tauwasser an der Bauteil-oberfläche durch eine entsprechende Wärmedämmung muss auch ein übermäßiger Feuchteeintrag in das Bauteil selbst vermieden werden. Insbesondere an undichten Bauteilfugen und an Durchdringungen (zum Beispiel durch Steckdosen) gelangt Feuchte durch die warme Raumluft in das Bauteil. Daher müssen diese Leckagen abgedichtet werden.

 

5. Vermeidung von Tauwasserausfall in der Wand

Feuchtigkeit dringt auch durch Diffusion in Bauteile ein. Wenn die Temperatur in der Wand so stark sinkt, dass der Taupunkt erreicht wird, die Luft also so weit abkühlt, dass sie den enthaltenen Wasserdampf nicht mehr vollständig binden kann, entsteht Kondenswasser im Bauteil. Daher ist es notwendig, einen übermäßigen Eintrag von Feuchte durch eine dampfbremsende Schicht an der Innenseite zu vermeiden und durch eine adäquate Dämmung des Bauteils dafür Sorge zu tragen, dass die Taupunkttemperatur nicht im Bauteil unterschritten wird. Ist ein Tauwasserausfall nicht zu vermeiden, ist sicherzustellen, dass die Feuchtigkeit wieder abtrocknen kann, ohne in der Zwischenzeit einen Schaden am Bauteil anzurichten.

Während Außendämmungen meist das Konzept der warmen Wand verfolgen, das Bauteil also warm halten und so eine Unterschreitung der Taupunkttemperatur vermeiden, bleibt bei der Innendämmung die Wand kalt. In der Folge muss der Feuchteeintrag in das Bauteil begrenzt und die Austrocknung der Wand durch feuchteregulierende Materialien begünstigt werden. 

 

6. Weiteren Feuchteeintrag vermeiden

Feuchtigkeit im Bauteil kann auch durch kapillare Wasseraufnahme entstehen, so zum Beispiel bei besonders schlagregenbeanspruchten Fassaden und im Sockelbereich oder durch drückendes Wasser und aufsteigende Feuchtigkeit an Kellerwänden. Um eine Durchfeuchtung des Bauteils von außen durch Niederschläge und Erdbodenfeuchte zu vermeiden, sind daher ein funktionierender Schlagregenschutz sowie nach Möglichkeit eine geeignete Abdichtung der erdberührenden Bauteile zu gewährleisten. Daher sind auch Bestandsfassaden auf ihren Sanierungsbedarf zu prüfen, da Risse in der Außenfassade für über die Hälfte der Feuchteschäden verantwortlich sind.

Insbesondere bei Fachwerkbauten ist aufgrund der konstruktiv bedingten Fugen zwischen Fachwerk und Ausfachung auf den Witterungsschutz zu achten. Sinnvoll ist es daher, die Wetterseite wie historisch üblich zu verkleiden. Hiermit wird der Urzustand des Gebäudes wieder hergestellt. Die zweite Schale bietet den Vorteil, dass sie als Regenschutz nicht im direkten Kontakt mit der dahinterliegende Wand steht und so die Feuchtigkeit nicht durch Kapillarwirkung übertragen wird. Auch die Abtrocknung der äußeren Schale erfolgt durch die dahinterliegende Luftschicht schneller. Weiterer Vorteil ist, dass dann eine Außendämmung der Wand möglich ist.

 

7. Feuchteabfuhr gewährleisten

Feuchteeintrag in ein Bauteil lässt sich nie komplett ausschließen, sei es durch Diffusion, witterungsbedingt, durch fehlende Abdichtungen des Kellers oder schlicht durch einen Wasserrohrbruch. Daher ist es notwendig, dass die Wand Feuchtigkeit abgeben kann, möglichst nach außen und innen. Hier gilt der Grundsatz, dass die Diffusionsdichtheit von innen nach außen abnehmen sollte.

So kann bei einer nachträglichen Fassadensanierung mit imprägnierenden Beschichtungen zur Vermeidung von witterungsbedingtem Feuchteeintrag anfallende Feuchtigkeit, die auf andere Weise entsteht (zum Beispiel Diffusion aus dem Innenraum), nicht mehr nach außen entweichen. Insbesondere sperrende Beschichtungen auf der Außenwand sollten auch im Sinne des Denkmalschutzes abgetragen werden, so dass der Putz nicht versandet und eine
Feuchteabfuhr ermöglicht wird.

Je nach Situation kann es notwendig sein, die Feuchtigkeit nach innen abgeben zu müssen. In diesem Falle ist unbedingt auf sperrende Schichten wie Latexfarben, Imprägnierungen und Fliesen, aber auch auf dampfdichte Innendämmungen zu verzichten. Weiterhin können feuchteadaptive Folien eingebaut werden, die zwar einen Feuchteeintrag in die Wand bremsen, jedoch umgekehrt eine Feuchteabgabe an den Innenraum ermöglichen.

 

8. Sicherstellung des Mindestluftwechsels

Nicht zuletzt ist es wichtig, für eine ausreichende Belüftung zu sorgen, so wie es auch die DIN 1946-6 fordert. Wird im Zuge der Sanierung eine möglichst luftdichte Gebäudehülle hergestellt, um so die Lüftungswärmeverluste zu verringern und Feuchtigkeit im Bauteil durch Leckagen zu vermeiden, muss auch die Art der Lüftung und die damit verbundene Feuchteabfuhr überdacht werden. Wird die Lüftung nicht über nutzerunabhängige Systeme, wie beispielsweise eine mechanische Wohnraumlüftung, sichergestellt, bedeutet dies für den Nutzer eine gewissenhafte Belüftung über die Fenster. Eine Mindestlüftung sollte jedoch entsprechend der DIN 1946-6 jederzeit auch ohne Nutzereingriff gewährleistet sein.

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Kapitel Lüftung.