Zur Erhaltung eines gesunden und behaglichen Innenraumklimas sind die Versorgung mit Frischluft und die Abfuhr von Raumluftfeuchte, welche durch Luftaustausch gewährleistet wird, notwendig. Mit der warmen Fortluft geht jedoch auch die darin gespeicherte Wärme verloren. Das Ziel eines effizienten Lüftungskonzeptes ist es daher, den Luftwechsel auf ein für die Erhaltung der Raumluftqualität notwendiges Minimum zu reduzieren und die Wärme der Fortluft nach Möglichkeit im Gebäude zu halten.

Was in Neubauten von vorneherein durch eine dichte Bauweise und eine kontrollierte Wohnraumlüftung einfach zu erreichen ist, ist in denkmalgeschützten Gebäuden vor dem Hintergrund der historischen Bausubstanz und dem bestehenden Lüftungs- und Feuchtehaushalt umsichtig zu planen, da in vielen Fällen eine Luftdichtheit nicht gewährleistet werden kann oder die Integration einer Lüftungsanlage nicht realisierbar ist.

Wie bereits im Kapitel Feuchteschutz erläutert, erfolgte die Belüftung in früherer Zeit über Fensterfugen und eine allgemein geringere Luftdichtheit. Offene Kaminzüge wirken aufgrund der Thermik wie eine natürliche Abluftanlage. Wird im Zuge einer Sanierung zur Vermeidung von Lüftungswärmeverlusten und unangenehmen Zugerscheinungen eine zunehmend dichte Bauweise angestrebt und der offene Kamin gegen eine raumluftunabhängige Heizung getauscht, entfällt das ursprüngliche Lüftungskonzept und der Luftwechsel muss auf andere Weise hergestellt werden.

Hierzu bestehen grundsätzlich drei Möglichkeiten:

  • Die Fensterlüftung durch den Nutzer
  • Die natürliche Belüftung ohne Nutzereingriff
  • Die mechanische Belüftung ohne Nutzereingriff

 


Keimbelastung und zu trockene Luft

Eine weit verbreitete Befürchtung ist, dass sich in den Lüftungskanälen Keime niederschlagen und die Zuluft daher gesundheitsschädigend ist. Dies stimmt jedoch nur bedingt,da bei einer richtigen Planung und einer regelmäßigen Wartung und Inspektion Keime wirksam vermieden werden.

Ein halbjährlicher Wechsel der Filter und eine Inspektion der Lüftungskanäle alle zwei Jahre sollten jedoch vorgesehen werden. Auch der Vorwurf der trockeneren Luft hält einer genauen Betrachtung nicht stand, da sowohl bei der Fensterlüftung als auch bei der mechanischen Lüftung die Luft von außen mit dem gleichen Feuchtegehalt ankommt. Die mechanische Lüftung bietet jedoch im Gegensatz zur Fensterlüftung die Möglichkeit, die Zuluft nachträglich zu befeuchten.

Der gesicherte Luftwechsel führt nicht nur zu einem hygienischen Raumklima, die stets vorhandenen Luftfilter reinigen die Außenluft auch von Pollen und Staub. Dies kann gerade bei Allergikern von Vorteil sein.

 

Wärmerückgewinnung

Bei Zu- und Abluftanlagen mit Wärmerückgewinnung wird die verbrauchte Luft in einem zentralen Wärmetauscher an der frischen, kalten Außenluft vorbei geführt. Die Wärme der Abluft wird dabei zum Teil an die Zuluft abgegeben, die dann vorerwärmt in den Raum eingebracht wird. Bei guten Wärmetauschern bleiben so 75 Prozent und mehr der Wärme im Raum erhalten. Im Sommer kann der Wärmetauscher auch umgekehrt zum Erhalt einer kühlen Raumluft dienen.