Bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts sorgten Fensterfugen und eine „undichte“ Bauweise ebenso wie „offene“, raumluftabhängige Feuerstellen für eine natürliche Belüftung des Gebäudes. Offenporige Materialien regulierten die Raumluftfeuchte. Nicht abgeführte Feuchtigkeit schlug sich als Tauwasser meist nur an den Fensterscheiben nieder, da diese als Einscheibenverglasung mit Abstand die kältesten Oberflächen aufwiesen. Hier konnte die Feuchtigkeit kondensieren und das Tauwasser leicht entfernt oder durch Öffnungen nach außen abgeführt werden. Im Übrigen führte eine niedrigere Raumlufttemperatur damals zu einem geringeren Temperatur- und Feuchtegefälle zwischen Raumluft und Außenluft.

Mit steigenden Komfortansprüchen wurde mehr geheizt. Dichtungen in Fenstern und Türen vermieden die unerwünschten Zugerscheinungen, jedoch auch die "natürliche" Belüftung der Gebäude. Das Temperaturgefälle zwischen innen und außen stieg, während der Luftwechsel und der Abtransport der Luftfeuchte sank. Zeitgleich wurden die Einscheibenfenster gegen hochgedämmte Fenster ausgetauscht, da diese für die größten Wärmeverluste verantwortlich waren, ohne dabei auch den Dämmwert der Wand zu erhöhen. Als Konsequenz schlug sich das Tauwasser nicht mehr nur an den Fenstern, sondern auch an anderen Raumoberflächen nieder. Insbesondere Sanierungen der 1970er und 1980er Jahre weisen diese Problematik auf. Aus dieser Zeit hat man gelernt, dass die Berücksichtigung des Feuchtehaushaltes ein integraler Bestandteil einer fachgerechten energetischen Sanierung ist.

Abb. 61 / Taupunktunterschreitung an der Außenwand © ina Planungsgesellschaft mbH
Taupunktunterschreitung an der Außenwand
(Abb. 61 © ina Planungsgesellschaft mbH)