Ist mein Gebäude denkmalgeschützt?

Gebäude, die nach dem Denkmalschutzgesetz als kulturelles Erbe anzusehen und deswegen vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) als schützenswert eingestuft worden sind, werden in einem öffentlichen Denkmälerverzeichnis geführt. In Wiesbaden steht ein Viertel der bebauten Fläche unter Denkmalschutz, das entspricht circa 10.000 Gebäuden. Dabei unterscheidet man zwischen erhaltenswerten Gesamtanlagen, die in ihrer Zusammenschau den öffentlichen Raum prägen und aufgrund dessen erhaltenswert sind, und den als Einzelbauwerk schützenswerten Einzel-Kulturdenkmälern.

Auch bisher im Denkmälerverzeichnis nicht erfasste Gebäude können schützenswert sein, insbesondere wenn sie älter als etwa 30 Jahre sind. Wenn Sie nicht wissen, ob Ihr Haus dazu zählt, fragen Sie bei der Unteren Denkmalschutzbehörde Wiesbaden nach. Hier bekommen Sie auch die Information, ob Ihr Gebäude als Einzeldenkmal oder als Teil einer Gesamtanlage (Ensemble) geschützt ist.

Bauhaus-Villa im Komponistenviertel – Auch dieses Wohnhaus steht unter Denkmalschutz. (Abb. 16  © Familie Eller)
Bauhaus-Villa im Komponistenviertel – Auch dieses Wohnhaus steht unter Denkmalschutz. (Abb. 16  © Familie Eller)

Was muss ich beachten, wenn ich sanieren will?

Jedes Denkmal ist hinsichtlich seiner Gestalt und seiner Geschichte einzigartig. Genau deswegen ist die Betrachtung als Einzelfall erforderlich. Der kulturelle Wert ist geschützt, er muss erhalten bleiben. Bauliche Ergänzungen sollen in der Regel nachvollziehbar und eventuell auch wieder rückführbar sein, um das Denkmal als historisches und künstlerisches Dokument möglichst unversehrt zu erhalten. Daraus resultieren besondere Anforderungen an die energetische Sanierung denkmalgeschützter Gebäude.
Für jede bauliche oder gestalterische Veränderung an Ihrem Denkmal oder seiner Umgebung benötigen Sie eine denkmalrechtliche Genehmigung. Diese muss rechtzeitig vor Beginn der Arbeiten beantragt und erteilt worden sein. Das gilt auch für Maßnahmen, die nach der Hessischen Bauordnung keiner Genehmigung bedürfen. Die Untere Denkmalschutzbehörde prüft, ob die geplante Maßnahme mit dem Schutz des Denkmals vereinbar ist und kann – sofern erforderlich – Auflagen für die Ausführung machen.

Um solche Auflagen frühzeitig in die Planungsüberlegungen aufzunehmen, empfiehlt sich die Kontaktaufnahme bereits zu Projektbeginn und bevor formal der Antrag gestellt wird.

Veränderungen an einem Denkmal müssen einschließlich der verwendeten Materialien und angewandten Techniken dokumentiert und häufig bereits als Bestandteil des Antrags, spätestens jedoch als Schlussdokumentation nach Fertigstellung bei der Unteren Denkmalschutzbehörde eingereicht werden. Diese archiviert die Unterlagen und kann sie für spätere Sanierungsmaßnahmen sowie für wissenschaftliche Forschungen als wichtige Informationsquelle und zum Nachvollzug der Eingriffe zur Verfügung stellen.

 

Kann ich mit einer „kleinen“ Maßnahme beginnen?

Auch „kleine“ Maßnahmen (Einzelmaßnahmen) können zu einer spürbaren Senkung des Energieverbrauchs führen und dabei auf die finanziellen und zeitlichen Bedürfnisse der Eigentümer und Mieter zugeschnitten werden. Die Maßnahmen müssen jedoch – egal wann sie ausgeführt werden – aufeinander abgestimmt sein. Deswegen ist auch bei der Durchführung von Einzelmaßnahmen wichtig, ein mit der Denkmalbehörde abgestimmtes Sanierungskonzept von erfahrenen Fachleuten erstellen zu lassen. Dieses Konzept zeigt Ihnen als Eigentümer, welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge energetisch und wirtschaftlich effizient umgesetzt werden können.

 

Sollte ich zuerst dämmen oder die Heizung austauschen?

Sinnvoll ist es, zunächst zu prüfen, in welcher Weise Sie den Wärmebedarf durch Dämmung des Gebäudes senken können und darauf die neue Anlagentechnik auszulegen. Auch wenn moderne Brennwertgeräte auch im Teillastbereich effizient betrieben werden können, ist es empfehlenswert, zuerst zu dämmen und dann die Heizung zu erneuern, weil das Gebäude nach der Dämmung viel weniger Heizenergie benötigt. Dadurch kann die Heizung “kleiner“ ausgelegt werden. Zusätzlich besteht dann die Möglichkeit, andere und effizientere Heizsysteme einzubauen.
Bitte prüfen Sie bei der Erneuerung der Heizung auf jeden Fall den Einsatz von regenerativen Energien (siehe Kapitel Heizung).

 

Kann ich mir die Kosten für eine Planung nicht sparen?

Die Planung und Baubegleitung durch erfahrene Fachleute kostet zunächst zusätzlich Geld. Unter dem Strich spart diese Vorgehensweise jedoch Kosten ein, da eine optimierte Planung, die Angebotsauswertung und die Begleitung der Auftragsvergabe in der Regel zu einer günstigeren Umsetzung der gewünschten Maßnahmen führen. Sie erhalten deutlich mehr Sicherheit beim Bauen und reduzieren das Risiko späterer Bauschäden. Sie ersparen sich dadurch viele Sorgen und vor allem unvorhergesehene Kosten.

 

Gibt es finanzielle Unterstützung für die Sanierung?

Planungskosten wie auch Baukosten für die energetische Ertüchtigung von denkmalgeschützten Gebäuden können beispielsweise durch Zuschüsse oder zinsgünstige Darlehen gefördert werden. Bitte beachten Sie jedoch, dass bei den meisten Förderprogrammen der Antrag vor Auftragsvergabe gestellt werden muss, um Unterstützung zu erhalten. Zusätzlich können die Investitionen im Baudenkmal im besonderen Maße steuerlich geltend gemacht werden (siehe Kapitel Förderung).

 

Es ist doch auch schon schief gegangen!

Jeder hat von Sanierungsmaßnahmen gehört, die fehlerhaft ausgeführt wurden, übermäßig lang gedauert haben und deutlich teurer als erwartet waren.
Dies ist zumeist begründet in

  • unzureichender Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde,
  • unzureichenden Untersuchungen der Bausubstanz und der bauphysikalischen Gegebenheiten des Gebäudes,
  • fehlender oder unzureichender Planung vor Beauftragung und Ausführung der Arbeiten,
  • fehlender Fachkunde der Handwerker/des Planers und
  • fehlender Überwachung und Koordinierung durch eine qualifizierte Bauleitung.
     

Solche Fehler können vermieden werden. Der im Kapitel „Sanierung im Denkmal – Wie läuft das ab?“ vorgeschlagene Ablauf soll Ihnen ebenso dabei helfen wie die Informationen zur Umsetzung in den folgenden Kapiteln.

 

Was bedeutet eine energieeffiziente Sanierung für mich als Mieter oder Vermieter?

Bauen ist immer mit Lärm und anderen Belästigungen insbesondere für die Bewohner verbunden. Einige Maßnahmen lassen sich nicht im bewohnten Zustand umsetzen, obwohl eine energetische Sanierung in der Regel ohne Ausweichquartiere auskommt.

Als Mieter befürchten Sie möglicherweise eine Mieterhöhung. Dafür hat der Gesetzgeber jedoch Obergrenzen festgelegt. Außerdem bringt die energetische Sanierung auch für Mieter deutlichen Nutzen: Die Heizkosten sinken, der Komfort steigt erheblich, und Sie können danach in einer frisch sanierten Wohnung leben.

Als Vermieter hingegen zögern Sie vielleicht, eine energetische Sanierung anzugehen, weil Ihnen der wirtschaftliche Nutzen aus der Heizkostenersparnis nicht zugute kommt und somit der Anreiz fehlt. Folgende Vereinbarung kann die Interessen von Mietern und Vermietern ausgleichen: Die Summe aus Miet- und Heizkosten steigt für den Mieter nicht; dafür kommt ein Teil der Heizkosteneinsparung in Form einer höheren Miete dem Vermieter zugute, um dessen Investitionskosten zu amortisieren. Es ist von Vorteil, die Sanierung frühzeitig mit dem Mieter abzusprechen, um ihm die geplanten Maßnahmen sowie deren Nutzen zu erläutern – dadurch steigt die Akzeptanz. Und ein konfliktfreier Bauablauf ist für Sie als Eigentümer ebenso wie für Ihre Mieter wünschenswert.

 

Was bedeutet das für mich als Hausverwalter?

Zu Ihren Aufgaben als Verwalter gehört es in der Regel, Vorschläge für die Instandhaltung und einen wirtschaftlichen Betrieb der von Ihnen betreuten Gebäude zu unterbreiten. Wenn Sie dem Eigentümer oder der Eigentümergemeinschaft empfehlen, ein Konzept für die energetische Sanierung erstellen zu lassen, handeln Sie in diesem Sinne.
Ein Sanierungskonzept legt die Möglichkeiten, die Kosten und den Ablauf von Sanierungsmaßnahmen dar. Dies ermöglicht Ihnen, einen „Fahrplan“ über mehrere Jahre aufzustellen und zur Entscheidung beziehungsweise Beschlussfassung vorzulegen.


 Hier erhalten Sie Hilfe

Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Wiesbaden

Auskünfte zum Denkmälerbestand in Wiesbaden, zum Genehmigungsverfahren sowie zu Fördermöglichkeiten und Steuervergünstigungen erteilt die Untere Denkmalschutzbehörde: www.wiesbaden.de/denkmalschutz

Die Stadt Wiesbaden stellt das Formular für den Antrag auf denkmalrechtliche Genehmigung auf ihrer Internetseite zum Download bereit: www.wiesbaden.de/vv/forms.php

Klimaschutzagentur Wiesbaden e.V.

Die Klimaschutzagentur Wiesbaden e.V. berät Sie bei Fragen zu den Fördermöglichkeiten und den förderfähigen Maßnahmen bei der energetischen Sanierung speziell in Wiesbaden. Sie gibt Hinweise zu den örtlichen Energieberatungsangeboten:
www.ksa-wiesbaden.org

Weitere Kontakte finden Sie im Kapitel Beratung